Minimalismus
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Der Lebensstil Minimalismus

Der Lebensstil Minimalismus

Minimalismus ist ja in den letzten Jahren ein immer größeres Thema in den Medien geworden. Bei genauerer Betrachtung wundert das kaum. Man gewinnt doch zunehmend den Eindruck, dass Kaufen nicht das Allheilmittel – sowohl für die Wirtschaft als auch für den Menschen – ist, sondern vielmehr ermüdet und auslaugt. Vielmehr noch scheint jedes neu erworbene Ding wie ein Stein im Rucksack auf unseren Schultern zu lasten. Die Jagt nach den immer neusten Schätzen mündet in einen niemals endenden Kreislauf. Shoppen ist zur Therapie geworden, von der wir leider nicht mehr loskommen, weil sie nicht nachhaltig ist. Denn kaufen beschert uns nur ein kurzes Hoch. Allzu schnell fallen wir wieder in unseren tristen Alltag zurück. Hinzu kommt das Bedürfnis sich profilieren zu müssen und zwar über den Besitz. So herrscht ein anhaltender Druck das schnellste Auto, den größten Fernseher und das neuste Smartphone zu besitzen. Wenn du also hier auf meinem Blog gelandet bist, kommen dir diese Gedanken sicherlich bekannt vor oder du hast in deinem Umfeld auch schon diese Gefühle wahrgenommen.

Was genau ist Minimalismus?

Einfacher leben, genügsamer leben, bewusster leben – darauf zielt der Minimalismus als Lebensstil unter anderem ab. Da sich viele Menschen von ihrem Besitztümern erdrückt fühlen, misten sie diese zuerst aus, um wieder Luft zum Atmen zu bekommen. Das kann – und hier spreche ich aus eigener Erfahrung – sehr befreiend sein. Minimalismus kann aber noch viel weiter gehen. Es stellen sich Fragen bezüglich der Freizeitgestaltung, der Berufswahl und des Freundeskreises. Auch hier kann man sich bewusst gegen vieles, aber für einige sehr gute „Dinge“ entscheiden. Macht mein Beruf mich glücklich? Sind diese Menschen meine Freunde oder treffe ich mich nur aus Gewohnheit mit ihnen? Sitze ich lieber stundenlang vor dem Fernseher oder mache ich lieber einen ausgedehnten Spaziergang? Das Wenige aber für uns wertvolle steht bei diesem Lebensstil im Vordergrund. Habe ich lieber drei Regenjacken, die mir alle nicht so recht gefallen und die vielleicht auch nicht die Besten sind oder investiere ich lieber einmal in ein qualitativ hochwertiges Kleidungsstück, das seinen Job gut macht und welches ich wirklich liebe? Diese Denkweise mündet dann automatisch in ein nachhaltiges Konsumverhalten. Man schraubt sein Verlangen nach neuen Dingen runter und investiert gleichzeitig bei nötigen Neuanschaffungen, die dadurch länger halten. Wie weit du damit gehen möchtest, ist ganz dir selbst überlassen. Denn auch das ist Minimalismus: selbst bewusste Entscheidungen treffen.

Was hat man denn von weniger Besitz?

Minimalismus bringt viele Vorteile mit sich. Die meisten habe ich selbst schon am eigenen Leib erfahren. Allem voran muss ich sagen ist die größte und für mich bisher einschneidenste Veränderung mein gewachsenes Selbstbewusstsein – und ich meine damit wirklich Bewusstsein. Ich würde nicht sagen, dass ich vorher schüchtern war. Dennoch spüre ich, dass ich – und ja das klingt etwas esoterisch – zu mir selbst gefunden habe. Ich habe mich vorher nicht unbedingt über die Dinge definiert, die ich besessen habe, aber sie haben einen sehr großen Teil meines Lebens eingenommen: meine kleine 1-Zimmer-Wohnung und auch meine Freizeit, in der ich ständig beschäftigt war, neue Besitztümer anzuschaffen. Durch das loslassen von den vielen Dingen um mich herum (und das fängt sogar schon mit der Entscheidung an, dass man das alles gar nicht braucht) habe ich angefangen auf mich selbst zu achten. Was macht mich eigentlich aus (ohne die Definition über Kleidung, Frisur oder sonstige Äußerlichkeiten wie bspw. Besitztümer)? Was sind meine Fähigkeiten? Was meine Wünsche und Träume? Was erwarte ich vom Leben, von den Menschen um mich herum, von meinem Beruf? Diese ganzen Fragen traten zum ersten Mal wirklich konkret in den Vordergrund, als ich anfing mich mit Minimalismus zu beschäftigen.

Seit ich meinen Konsum eingeschränkt habe, habe ich mehr Geld zur Verfügung, um mit Freunden etwas zu unternehmen. Dahingehend will ich meinen Konsum nicht einschränken, da es mich sehr glücklich macht. Ich gehe also weiterhin abends weg oder mal Essen, mit meinem Freund ins Kino oder mache Ausflüge. Aber ich gebe mein Geld nicht mehr für Dinge aus, die ich meine brauchen zu müssen, weil sie mein Leben angeblich einfacher machen, denn das tun sie in der Regel nicht.

Außerdem empfinde ich weniger Stress, da ich mich dem Druck entziehe immer das neuste „irgendwas“ zu haben oder den neusten Modetrend für den Sommer mitzunehmen. Ich fühle mich nicht mehr in der „Beweispflicht“, der man sofort unterliegt, wenn man Geld zur Verfügung hat. Man sollte sein Geld schließlich ausgeben und „sich mal was gönnen“. Wenn man sein Geld hingegen beisammen hält, gilt man als Langweiler oder schlicht uninteressant. Ich empfinde mich selbst nicht mehr als uninteressant oder langweilig ohne meinen ganzen Besitz. Kurz gesagt, ich reiche mir inzwischen selbst als Beweis aus, dass ich mein Leben genieße und es mir Gut geht – das brauche ich nicht irgendwelchen Gegenständen aufhalsen.

Weitere nette Nebeneffekte:

  • Weniger Dinge, die rumstehen, machen das Putzen einfacher und es geht schneller von der Hand.
  • Ich verlege nichts mehr und finde es wochenlang nicht, um es dann direkt nach einem getätigten Neukauf wieder zu finden.
  • Verreisen ist mit viel weniger Gepäck schneller vorbereitet, leichter und angenehmer.
  • Und zu guter Letzt: Ich bin heute in der Lage schöne Dinge zu genießen, ohne das Bedürfniss zu haben, sie selbst zu besitzen. Wenn ich also ein wunderschönes Kleid auf einem Modeplakat sehe, bin ich in der Lage einzuschätzen, dass ich kein weiteres Kleid brauche oder es mir sowieso nicht stehen würde. Statt dessen erfreue ich mich an dem schönen Kleid und gehe dann weiter meiner Wege. Man bekommt dadurch eine ganz andere Sichtweise auf seine Umgebung, da nicht das Kaufverlangen zählt, sondern lediglich Formen, Farben, Stoffe, Bewegungen, Geräusche, Gerüche und Ideen.

Herausforderungen zu Beginn

Wenn man erst einmal an dem Punkt angelangt ist, an dem das Leben dann schließlich einfacher wird und man mehr Freiraum hat (sowohl finanziell als auch räumlich und mental), stellt sich die Frage, was man eigentlich mit den neu gewonnenen Mitteln anfängt. Du kannst deine Freizeit jetzt mit deiner Familie oder Freunden verbringen, was du sicherlich auch nutzen wirst, aber damit lässt sich halt nicht alles füllen. Also gilt es alte Interessen und Hobbys wieder aufleben zu lassen oder sich neue zu suchen. Was wolltest du schon immer mal Lernen? Welchen Sport wolltest du schon immer mal ausprobieren? Welches Musikinstrument hat dich schon immer fasziniert? Was kannst du gut und machst du vielleicht auch gerne? Neu entdeckte Interessen oder Wünsche könnten dich auch deinen derzeitigen Beruf hinterfragen lassen. Wirf nicht die Vernunft über Bord, aber lass diese Gedanken zu und finde heraus wo sie dich hin führen. Ich selbst habe vor kurzem das Bloggen für mich entdeckt.

Ich hoffe ich konnte dich ein bisschen für Minimalismus begeistern oder vielleicht einfach nur aufklären, worum es bei diesem Lebensstil wirklich geht. Nämlich nicht um möglichst wenig Besitz, nur noch aus dem Rucksack leben oder auf dem Boden zu schlafen. Es geht nicht um „Project 333“ oder die „100-Things-Challenge“. Es geht einfach nur um dich.

 

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Kategorie: Minimalismus

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Hi, ich bin Sarah. Ich mag gutes Essen, meinen kleinen Kräutergarten, Eulen und minimalistisches Design. Auf meinem Blog schreibe ich über Minimalismus und Zero Waste und gebe Tipps wie man Müll vermeiden und seinen Konsum nachhaltiger gestalten kann.

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  1. Ein toller Artikel mit einer guten Erklärung. Mittlerweile versuchen ja doch immer mehr Menschen auf diese Art und Weise zu leben, auch wenn es erst mal schwer fällt, für viele ist es genau das Richtige.

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