Fair Fashion
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Die Tragödien hinter Fast Fashion

Die Tragödien hinter Fast Fashion

Da heutzutage immer mehr Diskussionen über Nachhaltigkeit, Bio, Fairtrade und Ähnlichem in unseren Alltag Einzug halten, wundert es nicht, dass wir inzwischen auch darüber nachdenken, wieso zur Hölle es möglich ist, das ein T-Shirt 5€ kostet. Fast Fashion ist das Stichwort – billig produzieren, billig kaufen, kaum tragen, wegschmeißen, neu kaufen. Für die Produzenten ist das ein großer Gewinn. Für die Arbeiter, die Umwelt und letztlich auch uns, die Käufer, ist das ein riesiger Verlust.

Wie funktioniert Fast Fashion und wieso ist es so schlimm bei H&M und Co. einkaufen zu gehen? Ich werde es dir verraten.

Was ist Fast Fashion und wie funktioniert das System?

Das System Fast Fashion passt perfekt in unsere konsumorientierte Gesellschaft. Statt den üblichen zwei Seasons, die es einmal für Mode gab – nämlich Frühjahr/Sommer und Herbst/Winter – hat Fast Fashion sogenannte Micro-Seasons etabliert. Das heißt, dass wir inzwischen jede Woche mit neuen Trends verlockt werden. 52 Seasons im Jahr. Ständig neue Klamotten in den Schaufenstern. Und die Werbung, die uns ständig klar macht, dass wir glücklich werden, mehr geliebt werden und erfolgreicher sind, wenn wir DIESES eine Kleidungsstück kaufen.

Shopping

Foto von rawpixel – Unsplash

Die billige Kleidung ist verlockend. Denn obwohl wir arm sein können, ist ein T-Shirt für 5€ oder ein Kleid für 10€ immer noch drin. Damit sind wir wer und müssen uns nicht als “arm” kennzeichnen. Doch diese Rechnung geht nicht auf. Denn obwohl es viele Dinge, nicht nur Mode, sondern auch Lebensmittel immer günstiger gibt, werden wir nicht reicher und auch nicht glücklicher. Wir schmeißen unser Geld, das wir gut anders verwenden könnten, diesen großen Konzernen in den Hals und denken dabei noch wir machen einen guten Deal. Doch das ist falsch. Auch wir, die Konsumenten, werden von diesen große Modeunternehmen ausgebeutet, merken davon aber nichts.

Viel mehr noch. Wir sind Teil des Problems.

Woher kommen unsere Klamotten eigentlich?

Kleidung von nahezu allen bekannten Modelabels wie H&M, Zara, Primark, Orsay, Vero Moda, usw. werden in armen Ländern produziert. 90% der Mode, die unter Fast Fashion fallen, kommen aus Mittel-, Südamerika oder Asien – Ländern wie Kambodscha, Bangladesh oder China. Denn eins haben diese gemeinsam: Die Arbeitskräfte sind billig, der Aufwand für faire Arbeitsbedingungen gleich Null und die Umweltauflagen sind sehr gering. Die großen Konzerne lassen also aus genau einem Grund in diesen Ländern produzieren: Geld. Hier können sie die Kosten fast beliebig drücken, denn selten gibt es sowas wie Versicherungen für Arbeiter_innen, eine Krankenvorsorge oder andere Leistungen, für die ein Arbeitgeber in der Westlichen Welt normalerweise aufkommen müsste.

Mädchen aus Bangladesh

Foto von Adrien Taylor – Unsplash

Wieso ist das überhaupt möglich?

Warum gehen die Fabriken denn überhaupt auf diesen unfairen Handel ein, fragst du vielleicht? Das ist simpel. Sie haben keinerlei Verhandlungsmacht. Ein großes Modelabel will etwas produzieren lassen und das zu einem bestimmten Preis. Wenn der Produzent nicht darauf eingehen will, lässt das Modelabel einfach in einer anderen Fabrik produzieren. Denn irgendjemand geht immer drauf ein. Die Fabriken dort gibt es einzig und allein wegen der großen Modeunternehmen. Das schafft zumindest Arbeit. Aber Arbeit die ungefähr so viel mit Respekt zu tun hat, wie ein Schlag ins Gesicht.

Die Unternehmen können sich dieser Verantwortung nur entziehen, da ihnen weder die Fabriken selbst gehören noch die Arbeiter_innen fest bei ihnen angestellt sind. Sie haben keinerlei Verantwortung, der sie sich stellen müssen und können sämtliche Probleme ignorieren. Es gibt auch niemanden, der sie zur Rechenschaft zieht.

Und glaub nicht, dass die Arbeiter_innen das alles ruhig über sich ergehen lassen würden. Es gab schon Aufstände für eine faire Entlohnung. Diese wurden blutig niedergeschlagen. Arbeiter_innen, die sich kritisch geäußert haben, werden systematisch attackiert und es sind auch Fälle bekannt, in denen Arbeiter_innen zu Tode geprügelt wurden, nur weil sie bessere Arbeitsbedingungen gefordert haben.

Was ist also konkret so schlimm daran, dass unsere Kleidung in diesen Ländern produziert wird?

Keine faire Entlohnung

Von einem 29 € Kleidungsstück gehen gerade mal 18 Cent an die Arbeiter_innen, die es herstellen. Natürlich kann man einen Lohn in Europa und Amerika nicht mit einem in Indien oder Kambodscha vergleichen – die Lebenshaltungskosten sind viel geringer. Doch in Würde leben kann man davon dort nicht.

Schlechte Arbeitsbedingungen

Die Arbeiter_innen in den Fabriken müssen durchschnittlich 16 Stunden am Tag arbeiten. Dadurch können sie oft nicht auf ihre Kinder aufpassen und müssen diese bei Verwandten außerhalb der Stadt unterbringen. Sie sehen sie dann nur ein paar Mal im Jahr. Pausen sind auch eher ungern gesehen und die Arbeiter_innen sind in den Fabriken auch noch giftigen Dämpfen oder Staub ausgesetzt. Aber das ist längst noch nicht das schlimmste.

Die Fabriken sind nicht selten in einem sehr schlechten Zustand. Oft werden die Inhaber der Fabriken von den Mitarbeiter_innen auf Risse hingewiesen, selten passiert dann etwas, denn es fehlt an Geld. Und da ja weiter produziert werden muss, weil sonst das wenige Geld was überhaupt rein kommt wegfällt, werden die Arbeiter_innen gezwungen weiter zu arbeiten. Und das obwohl das Gebäude eigentlich geräumt werden müsste. Jährlich sterben so hunderte von Menschen durch einstürzende Gebäude, weil diese nicht gewartet wurden.

Aber anstelle etwas zu verbessern, werden diese menschenunwürdigen Zustände von den großen Unternehmen gerechtfertigt: “Für diese Menschen ist das Arbeiten in solchen Fabriken eine gute Alternative” oder “Sweatshops bringen Bildung, Technology und Kapital in diese Länder und kurbeln damit einen Prozess an, die Bedingungen zu verbessern.” – the true cost.

Zurück bleibt ein Chemie-Cocktail

Viele Kleidungsstücke werden mit viel Chemie hergestellt. Das schadet der Umwelt und der Gesundheit. In China und Indien sind viele Flüsse stark verschmutzt – durch die Textilindustrie. Das liegt daran, dass die Abwässer der Produktion meist ungefiltert in die Flüsse geleitet werden und so letzten Endes auch ins Meer gelangen. Die Chemikalien lagern sich aber sogar in den Sedimenten der Flüsse ab und gelangen so in die Nahrungskette. Dementsprechend ist außerdem sauberes Trinkwasser Mangelware. Menschen in diesen Regionen leiden oft an Krebs, Ausschlägen, Hautkrankheiten oder Gelbsucht.

Auch beachtet werden muss die Produktion der Baumwolle für die Kleidung. Die Modeindustrie ist die größte Industrie weltweit – vermutlich jeder sechste heute lebende Mensch arbeitet in irgendeinem Teil davon – Logistik, Produktion, Verkauf. Diese Mengen an Kleidung müssen aus irgendwas hergestellt werden. Um solche Mengen zu erreichen, wird genetisch veränderte Baumwolle angebaut. Da diese aber nicht hält was sie verspricht muss sie doch wieder mit Pestiziden bespritzt werden. Diese haben nicht nur eine ungewisse Auswirkung auf den Boden und eventuell sogar das Grundwasser, sondern auch auf den Menschen.

Baumwollfeld

Foto von Trisha Downing – Unsplash

Nicht selten leiden viele Menschen, die in der Nähe der Felder wohnen an Behinderungen, Unterentwicklung oder Krebs. Auch viele Kinder sind davon betroffen. Doch die Behandlung kann sich kaum jemand leisten.

Dahinter steckt ein perfider Teufelskreis: Unternehmen wie Monsanto haben sich die Gen-Baumwolle patentieren lassen und verkaufen sie teuer an Farmer. Diese machen Schulden, um überhaupt etwas anbauen zu können. Die Gen-Baumwolle ist aber nicht so wiederstandsfähig wie angepriesen, also müssen sich die Farmer noch mehr verschulden um Pestizide zu kaufen. Sie werden krank und machen noch mehr Schulden, um sich Medikamente zu kaufen, die von den gleichen Firmen hergestellt werden. Dieser Kreis treibt viele zu verzweifelten Taten. In den letzten 16 Jahren nahmen sich mehr als 250.000 Farmer in Indien das Leben – also alle 30 Minuten einer.

Stetige Vermüllung

Die ganze produzierte und gekaufte Kleidung muss irgendwo landen. Und wo? Richtig, im Müll. Der durchschnittliche Amerikaner schmeißt heutzutage jährlich 37 Tonnen Textilien weg. Diese landen dann auf Mülldeponien. Außerdem sind die wenigsten Kleidungsstücke biologisch abbaubar, da oft ein Stoffgemisch verwendet wird und nicht selten sind Kunststofffaser mit verarbeitet. Die Chemikalien, die in der Kleidung stecken, werden so über Jahre, Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg an die Umwelt abgegeben.

Aber Klamotten an Hilfsorganisationen spenden ist doch bestimmt eine gute Sache, oder? Naja prinzipiell nicht falsch. ABER. Die Hilfsorganisationen erhalten inzwischen solche Massen an alter Kleidung, dass sie keine Chance haben diese in ihren Geschäften weiterzuverkaufen oder irgendwie anders zu verwerten. Also wird sie in Entwicklungsländer verschifft. Dort landen die Klamotten zumeist bei den Menschen oder eben auch auf dem Müll. Die örtlichen Textilindustrien sind dadurch oft ausgestorben.

Welche Auswirkungen haben diese Klamotten auf uns Konsumenten?

Da sind wir auch wieder beim Thema der Ausbeutung. Denn wie ich bereits schon sagte, werden nicht nur die Farmer auf den Baumwollfeldern oder die Näherinnen in den Fabriken ausgebeutet, sondern auch wir, die Konsumenten. In den letzten 20 Jahren stieg der Konsum von Kleidung in Amerika um 400%. Hier in Deutschland hat sich der Konsum von 2000 bis 2010 verdoppelt. Das heißt wir geben ein heiden Geld dafür aus, dass wir etwas von schlechter Qualität kaufen, uns die Werbung dann wieder sagt, wie sind nicht mehr genug oder es kaputt geht und wir dann wieder in den Laden rennen und etwas Neues kaufen.

Und nicht nur das. Dieses ständige Rausschmeißen unseres Geldes ist nicht das Schlimmste. Denn zur Produktion dieser Billigware werden viele Chemikalien benötigt. Und diese verschwinden nicht einfach so. Wir nehmen diese über unsere Haut in unseren Körper auf, ohne darüber nachzudenken, was das für Folgen haben könnte.

Was kann ich tun?

Wie bei so vielen anderen Dingen gilt auch hier: Du hast die Macht etwas zu verändern. Ja, du als Einzelperson. Denn wir geben tagtäglich mit unserem Geld eine Bewertung ab. Was wollen wir kaufen? Was ist uns wichtig?

Schon weniger Konsum alleine kann viel helfen. Momentan kaufen wir Deutschen ca. 5 Kleidungsstücke im Monat neu. Das sind im Jahr 60 Stücke Kleidung, die billig produziert sind und, wenn wir mal ganz ehrlich sind, meisten keine gute Qualität aufweisen. Kaufe also am besten Second Hand oder Stücke von hoher Qualität die du lange nutzen wirst. Oder gucke dich bei Marken um, die nachhaltige Mode herstellen. Eine Liste von verschiedenen Shops findest du hier: Onlineshops für faire und nachhaltige Mode.

Klamotten

Foto von Sarah Dorweiler – Unsplash

Wenn du also keine Fast Fashion mehr kaufst, dann verhinderst du damit das Menschen sterben! Denn die ganze Produktionskette zieht eine einzige Blutspur hinter sich her. Du verhinderst, dass Menschen in einstürzenden Gebäuden sterben, zu Tode geprügelt werden oder durch die Chemikalien zu Tode kommen – seien es die in der Luft in der Fabrik, im Trinkwasser, in der Nahrung oder die, die durch die Haut aufgenommen wurden.

Du verhinderst außerdem dass unser Planet zu Grunde gerichtet wird. Dass Flüsse und dass das Trinkwasser verschmutzt werden, dass Pestizide in den Boden und das Grundwasser eindringen oder Tier- und Pflanzenwelt gefährden. Und das nicht noch mehr Klamotten voller Kunststoff in der Umwelt landen und diese belasten und eines Tages zu Mikroplastik werden.

Ein paar Worte zum Schluss

Zum Schluss möchte ich dir noch den Film The True Cost ans Herz legen (gibt es auch auf Netflix). Diese Dokumentation deckt die Missstände in der Textilindustrie auf und zeigt ganz deutlich, was wir mit unserem Kaufwahn anrichten. Außerdem gibt es auf der Website mehr Informationen rund um das Thema und nützliche Infos zu einem nachhaltigen Modekauf, z.B. hier: The True Cost – Buying Better.

Auf der Seite fashionrevolution.org bekommst du auch Informationen zu dem Thema und zur Initiative Fashion Revolution selbst, die wissen will “Wer fertigt eigentlich meine Kleidung?”. Es gibt immer mal wieder Events, die das Ziel haben, die Modeindustrie wach zu rütteln.

Und jetzt noch ein paar Tipps meinerseits. Nimm dir Zeit. So ein Umstieg dauert. Nutze erstmal was du hast, genau wie bei Zero Waste 😉 . Wenn du nicht viel Budget hast, dann würde ich dir empfehlen mal in Second Hand Läden vorbei zu schauen. Oder sieh dich online auf Seiten wie Kleiderkreisel oder Mädchenflohmarkt um. Dort findest du erfahrungsgemäß viele unterschiedliche Stücke für wenig Geld. Außerdem kannst du dort deine alten Stücke wieder an die Frau oder den Mann bringen, wenn du sie nicht mehr nutzt. Eine gute Anlaufstelle ist zudem auch Oxfam. Oder überlege doch mal eine Kleidertausch-Party mit ein paar Freunden abzuhalten. Ihr macht euch einen gemütlichen Abend, quatscht und tauscht dabei eure Klamotten.

Ich habe inzwischen schon recht viele Stücke Second Hand gekauft. In der Regel muss man ein bisschen suchen, aber das lohnt sich am Ende. Meiner Meinung nach ist das die nachhaltigste Alternative, da die Kleidung ja schon gefertigt wurde und du sie im Prinzip vor dem Wegschmeißen rettest.

 

Ich hoffe dieser Beitrag sorgt dafür, dass du dich in Zukunft etwas bewusster mit deinem Kaufverhalten und deiner Kleidung auseinander setzt. Denn es sind eben nicht nur die niedrigen Arbeitslöhne, die von einem Einkauf von H&M abhängen, sondern Menschenleben. Bis nächst Woche.

– Sarah

 

Quellen:
https://www.greenpeace.de/themen/endlager-umwelt/textilindustrie-vergiftet-gewasser
http://www.greenpeace.org/eastasia/publications/reports/toxics/2014/little-story-mess-2/
https://www.oxfam.org/en/research/made-myanmar
https://utopia.de/ratgeber/fast-fashion-wegwerfmode/
https://www.br.de/puls/themen/leben/faire-mode-100.html
https://www.br.de/puls/themen/leben/fast-fashion-in-zahlen-102.html

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Kategorie: Fair Fashion

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Hi, ich bin Sarah. Ich mag gutes Essen, meinen kleinen Kräutergarten, Eulen und minimalistisches Design. Auf meinem Blog schreibe ich über Minimalismus und Zero Waste und gebe Tipps wie man Müll vermeiden und seinen Konsum nachhaltiger gestalten kann.

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