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Minimalistisch Leben: Meine Erfahrungen nach über 4 Jahren

Was ich gelernt habe und wie es mich verändert hat

Minimalistisch Leben: Meine Erfahrungen nach über 4 Jahren

Es ist nun schon über vier Jahre her, dass ich damit angefangen habe, mich mit Minimalismus zu beschäftigen und auszumisten. Welche Erfahrungen ich mit dem minimalistischen Leben gemacht habe und was sich für mich verändert hat, möchte ich mit dir teilen.

Wie ich zum Minimalismus kam

Damals bin ich durch YouTube darauf aufmerksam geworden und etwas hat sofort klick gemacht. Ich hatte keine Lust mehr, mich über meinen Besitz zu definieren. Versteh mich nicht falsch, ich wusste damals sehr wohl was mich sonst noch ausmacht. Ich habe z.B. immer sehr viel darauf gegeben, dass ich gut in der Schule war und nicht auf den Kopf gefallen. Nichtsdestotrotz hat mein Besitz einen Stellenwert und eine Machtstellung in meinem Leben eingenommen, die ich ihm eigentlich nicht zugestehen wollte. Das kam aber natürlich nicht über Nacht und hat sich schleichend entwickelt.

Als ich dann auf diesen Kult von ausmisten und minimieren gestoßen bin, hat es mich total fasziniert, mit wie wenig manche Menschen leben können. Das tut es auch heute noch. Aber ich habe auch schnell gemerkt, dass dieses Extrem nicht zu mir passt. Allerdings fing ich an zu hinterfragen und Dinge auszusortieren und es ging mir gut damit. Ich fühlte mich immer befreiter, hatte aber das Prinzip, dass man auch weniger kaufen sollte, wenn nicht irgendwann alles wieder von vorne beginnen soll, noch nicht verstanden. Das kam erst mit der Zeit und war das schwierigste an diesem ganzen Prozess.

Vor dem Minimalismus

Heute weiß ich, dass es Gründe hatte, warum Besitz so wichtig für mich war. In meiner Kindheit hatte wir immer recht wenig Geld. Das war auch nicht schlimm und ich habe mich nicht benachteiligt oder ausgeschlossen gefühlt. Aber sobald ich später etwas Geld zur Verfügung hatte, fing ich an es auszugeben und das nicht immer sinnvoll. Besonders wild wurde es, als ich meine erste eigenen Wohnung hatte.

Ich kaufte mir alle Küchengeräte und Dinge für den Haushalt selbst, von meinem über die Sommerferien hart erarbeiteten Geld. Und ich weiß auch noch genau wie sich das angefühlt hat: Ich war sehr stolz, das alles geschafft zu haben, unabhängig zu sein und auf eigenen Beinen stehen zu können. Da ist nichts falsch dran. Aber die Art und Weise, wie ich das mir gezeigt habe, war eben durch kaufen.

Größere Träume wie Reisen oder in ferner Zukunft liegende Träume, habe ich dabei irgendwie nie so richtig bedacht. Das führte dann auch dazu, dass ich mit dem Sparen nicht so wirklich voran kam, weil ich immer irgendwas kaufen musste.

Aber zum Glück hat sich das alles geändert.

Mein Umgang mit Besitz

Ich habe es über die Jahre geschafft viel lockerer mit Konsum umzugehen. Vielleicht kennst du das ja auch noch, aber früher war das für mich ein regelrechter Zwang. Ständig war ich auf der Suche nach etwas, habe nach Angeboten Ausschau gehalten, habe dann auch nur das billigste gekauft. Und immer war der Gedanke dabei: Ich brauche noch das und das und dann ist alles perfekt.

Umgang mit Besitz

Lustigerweise kam es aber nie so. Es war nie perfekt. Immer kam noch etwas neues, was ich dann auch wieder haben wollte. Immer wieder entstanden bei mir Bedürfnisse nach Dingen, die mein Leben nur dadurch bereichert haben, dass sie einfach da waren. Und sonst war da eben nichts.

Heute mache ich mir viel mehr Gedanken darüber, ob ich etwas wirklich in meinem Leben haben will. Ob dieses Ding mein Leben in einer sinnvollen Art und Weise bereichert. Das kann entweder durch seine Funktionalität oder auch einfach sein Aussehen sein. Aber es muss wirklich zu mir passen. Teilweise überlege ich Wochen oder sogar Monate, bis ich mich dazu entschließe etwas zu kaufen. Meistens allerdings, streiche ich die Dinge, die ich angesammelt habe, wieder von meiner Liste.

Ich verleihe den Dingen, die ich wirklich in meine Wohnung hole, mehr Wert. Ich habe sie persönlich und sorgfältig ausgesucht und mich sehr bewusst für sie entschieden. Gleichzeitig habe ich es geschafft sie als nicht mehr so wichtig anzusehen.

Mal ganz krass gesagt: Wenn ein Feuer ausbrechen würde, würde ich mir drei Dinge schnappen: Mein Handy, mein Portmonee und ein kleines Stofftier, das mein Freund mir mal geschenkt hat. Bei dem Rest hätte ich keine Bauchschmerzen, es in Flammen aufgehen zu sehen. Natürlich wäre es schade und würde auch finanziell weh tun, aber es sind eben nur Dinge.

Selbst das Portmonee würde ich nur mitnehmen, weil ich keinen Bock hätte nachher meinen Ausweis, Führereschein, Krankenkassenkarte usw. ersetzen lassen zu müssen - das wäre mir zu anstrengend. Auch das Handy mitzunehmen ist eher eine prakmatische Entschiedung. Ich kann zu allen Kontakt halten und habe Zugriff auf alle Dateien und Fotos.

Menschliche Beziehungen

Aber nicht nur was physisch vorhandene Dinge angeht, haben sich meine Ansichten verändert. Ich bin auch wählerischer geworden, was die Menschen in meinem Umfeld angehen. Ich habe einfach keine Lust meine Energie für jemanden zu verschewenden, der nichts zurück gibt. Solche Menschen brauche ich in meinem Leben nicht.

Menschliche Beziehungen

Auch das mag jetzt hart klingen, aber es ist besser eine handvoll Menschen zu haben, auf die man sich wirklich verlassen kann, als unzähliche, die einem nicht zur Seite stehen. Was soll ich mit solchen Menschen? Beziehungen sind ein Geben und Nehmen und sollten im Idealfall ausgeglichen sein, sodass beide Menschen davon profitieren. Wenn man sich nur runterzieht und auch nicht gewillt ist, etwas in eine Beziehung zu investieren, dann sollte man sich fragen, ob diese Beziehung sinnvoll ist.

Es gibt eine handvoll Menschen in meinem Leben, auf die ich mich wirklich verlassen kann. Ich verscuhe möglichst viel Zeit mit ihnen zu verbringen und gebe mir Mühe die Beziehung immer wieder zu vertiefen. Ich gebe aktiv etwas, bekomme aber auch unheimlich viel dafür. Und ich weiß mit 200%-iger Gewissheit, dass jeder dieser Menschen für mich mitten in der Nacht aus dem Bett springen würde, wenn es mir schlecht geht.

Natürlich habe ich auch noch andere Freunde mit denen ich gerne Zeit verbringe. Nur man kann eben auch nur begrenzt Beziehungen so intensiv pflegen. Nichtsdetotrotz sind das alles Menschen von denen ich sehr froh bin, sie in meinem Leben zu haben. Es sind Menschen, die zu mir passen, die sich für mich interessieren und gerne Zeit mit mir verbringen. Und das geht mir auch so mit ihnen.

Weniger Stress, mehr Klarheit

Ich glaube, ich hätte viel weniger Zeit und mehr Stress, wenn ich mich darum scheren würde, was ich noch alles kaufen will. Das kostet Zeit und Kraft, die ich lieber sinnvoller verwenden will.

Und das Geld kann ich natürlich auch eher für etwas nutzen, das einen wirklichen Mehrwert für mich hat. Das meiste Geld gebe ich z.B. dafür aus, mit Freunden etwas zu unternehmen, etwas essen zu gehen oder in den Urlaub zu fahren. Erlebnisse haben für mich jetzt Priorität.

Außerdem hole ich mir jedes Mal, durch die bewusste Entscheidung etwas zu kaufen oder oft eben auch nicht zu kaufen, die Kontrolle zurück. Ich selbst entscheide, wie mein Leben aussehen soll und was ich darin haben will. Und ich möchte eben nur das beste für mich selbst und nicht irgendwelchen billigen, lieblos gefertigten Kram, dessen einziger Sinn es ist, irgendwen reich zu machen.

Gleichzeitig bin ich aber auch ein Fan von Upcycling und Wiederverwertung. Und so habe ich gelernt auch Dinge in ihrem Inperfektionismus zu akzeptieren und sie schön zu finden. Oder einfach einzusehen, dass es eben keinen großen Unterschied macht, ob dies oder jenes modern oder altbacken ist, ob es so aussieht, wie es heutzutage aussehen soll, oder doch ganz anders.

Selbstwertgefühl

Ich kann beim besten Willen nicht wissen, wie es für den modernen Mann ist, in der heutigen Gesellschaft zu leben. Aber als Frau kann ich sagen: Es ist anstrengend. Ständig prasselt es auf einen ein, wie man auszusehen hat, welche Pfelegeprodukte, welches Makeup, welche Klamotten man zu kaufen hat. Alles natürlich auch mit dem Unterton, wie das ganze Leben auszusehen hat und immer schön darauf bedacht, dass man als Frau ja vor allem eins sein muss: schön.

Wenn es eines gibt, das ich mich den Großteil meines Lebens nicht gefühlt habe, dass ist es schön. Das hat mich früher immer ein bisschen mitgenommen, aber ich habe mich eben über meine guten Noten definiert und dann war das in Ordnung. Trotzdem hatte man immer diesen Druck von außen. Und ich denke, dass den heute jeder spürt.

Dabei muss es noch nicht mal um das Aussehen gehen, auch Dinge wie die Wahl des Berufs, mit wem man zusammen lebt, ob man Kinder bekommt, wo man wohnt, bei all diese Dingen wird eine gewisse Erwartungshaltung suggeriert. Es sind zu einem Großteil auch selbst auferlegte Zwänge. Trotzdem möchte man doch am Ende des Tages damit zufrieden sein, was man macht. Minimalismus hat mir geholfen mich davon wegzubewegen und für mich selbst zu bestimmen, was ich und wie ich mein Leben leben will.

 

Ich habe also bis jetzt sehr gute Erfahrungen mit Minimalismus gemacht. Dieser Lebensstil hat mein Leben wirklich bereichert. Dabei aber lustigerweise gar nicht so sehr durch das ganze Ausmisten und nicht mehr kaufen, sondern viel mehr durch die ganzen mentalen Nebeneffekte.

Ich mache mir weniger Sorgen um unwichtige Dinge und genieße die wertvollen Dinge mehr. Ich bin selbstbestimmter und weiß, dass das was ich tue und kaufe wirklich zu mir passt und meine eigene Entscheidungen sind.

Ob ich dir also empfehlen kann, das ebenfalls auszuprobieren: zu hundertprozent ja!

Wenn du jetzt noch mehr zum Thema Minimalismus erfahren willst, dann kannst du damit anfangen:

Schritt für Schritt zu weniger Konsum

Leben in der Konsum­gesellschaft: Warum ist das so?

Räum dein Leben auf! Der Guide zum Ausmisten

Bis zum nächsten Mal,

- Sarah

Autor Sarah Lettmann

Sarah Lettmann

Hi, ich bin Sarah. Hier auf MinimalWaste schreibe ich über Zero Waste und Minimalismus und gebe Tipps wie man sein Leben nachhaltiger gestalten kann. Mehr über Sarah Lettmann.