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Schritt für Schritt zu weniger Konsum

So veränderst du dein Kaufverhalten und gehst bewusster mit Besitz um

Schritt für Schritt zu weniger Konsum

Ich bin ein riesiger Fan von Minimalismus. Aber ich bin auch eine Verfechterin von Nachhaltigkeit. Deshalb stellen sich bei mir immer alle Nackenhaare auf, wenn ich sehe, wie sich nur halbherzig damit auseinander gesetzt wird. Das heißt, es wird immer Neues gekauft und dann immer wieder im gleichen Maße entsorgt. Dabei liegt der Schlüssel, um die Vorteiles eines reduzierten Lebensstils genießen zu können, in weniger Konsum an sich. Ich zeige dir heute, wie du dein Kaufverhalten nachhaltig veränderst und so wirklich aus dem Teufelskreis ausbrichst.

In der heutigen Zeit ist das gar nicht so einfach. Warum wir kaufen habe ich mir schon in Leben in der Konsum­gesellschaft: Warum ist das so? angeguckt. Marketing und Werbung haben durchaus ihren Platz und auch einen Sinn, aber man sollte sich dessen eben auch bewusst sein und nicht so blauäugig damit umgehen. Aber zuerst einmal will ich dir im Allgemeinen das Prinzip von nachhaltigem Konsum näher bringen.

Die Konsum-Pyramide

Die Konsum-Pyramide

Die Konsum-Pyramide gibt dir vor, wie du am besten konsumieren solltest. Dabei funktioniert sie ähnlich wie die Ernährungspyramide: von unten nach oben geht man von positiv zu negativ.

Am besten nutzt du Dinge, die du sowieso schon besitzt. Wenn das nicht geht, dann handelt es sich vielleicht um etwas, dass du reparieren oder reparieren lassen könntest. Das sind die beiden Optionen, die du zuerst in Betracht ziehen solltest und sie gelten vor allem für Dinge, die du schon hast, aber ersetzen willst.

Danach gibt es ein paar Optionen, die du in Erwägung ziehen solltes, wenn du etwas “neu” brauchst, es sich also noch nicht in deinem Besitz befindet. Du kannst es entweder selbst herstellen oder aber leihen oder in letzter Instanz mit jemandem tauschen.

Wenn das alles nicht geht, weil du beispielsweise niemanden findest oder es etwas ist, was nur schwer selbst herzustellen ist, dann kannst du es immer noch gebraucht kaufen.

Erst wenn du keine gebrauchten Angebote für diese Sache finden kannst, erst dann solltest du es neu kaufen. Aber auch hier gilt: Wähle möglichst einen nachhaltigen und fairen Hersteller.

Die Schritte zu kontrollierterem Kaufverhalten

Für mich gibt es drei Schritte, die man gehen kann, um das eigene Kaufverhalten besser zu verstehen, zu hinterfragen und in den Griff zu bekommen. Dabei geht es vor allem um Alternativen zu herkömmlichen Konsum.

1. Schau dich nach anderen Optionen um

Wir neigen dazu immer alles gleich zu kaufen. Das ist in Zeiten von Amazon und Co. bequem und einfach und wir haben schließlich alle immer total viel zu tun.

Der erste Schritt zielt darauf ab, dieses Verhalten aufzuweichen. Das heißt, statt immer gleich etwas neu zu kaufen, wenn du es haben willst, überlege zuerst, welche Optionen du noch hast. Orientiere dich dabei an der Konsum-Pyramide. Du kannst z.B. Dinge tauschen, leihen, selbst machen, kostenlos bekommen oder in letzter Instanz gebraucht kaufen.

Ich spreche hier bewusst von Dingen, die du willst und nicht von Dingen, die du brauchst. Denn in der Regel bist du noch nicht so weit, wenn du noch so viel kaufst.

Wenn du also beispielsweise ein neues Buch haben willst, hast du folgende Optionen:

  • Frage Freunde und Bekannte, ob sie dieses Buch haben und dir leihen könnten.
  • Schaue nach, ob es das Buch in der örtlichen Bibliothek gibt.
  • Gucke nach, ob es bei dir in der Nähe einen Bücherschrank gibt, wo du etwas ähnliches bekommen könntest. Das kannst du beispielsweise auf OpenBookCase.org nachschauen.
  • Gehe in deine örtliche Free Your Stuff-Gruppe auf Facebook und schaue nach, was andere verschenken.
  • Nutze Websites und Apps wie ebay Kleinanzeigen oder shpock oder auch reBuy*, um an gebrauchte Bücher zu kommen.

Ja, das ist natürlich aufwendiger, als einfach etwas online zu bestellen. Aber das ist auch der Sinn dahinter. Es gibt heute so viele Möglichkeiten Dinge in gutem Zustand gebraucht zu kaufen oder sogar kostenos zu bekommen. Und gerade bei Dingen wie Büchern sollte man sowas nutzen, denn die meisten Bücher liest man oft nur einmal.

Tipp: Ich habe mir angewöhnt erst in meinem Bekannten- und Freundeskreis rumzufragen, wenn ich etwas brauche. Oft hat jemand das passende und kann es evtl. sogar dauerhaft entbehren.

Wenn es um den Bereich Freizeitgestaltung geht, dann findest du in 15 Ideen für günstige Freizeit­gestaltung für zu Hause außerdem jede Menge Tipps und Alternativen zu den üblichen Verdächtigen wie Abends ins Kino oder etwas essen oder trinken gehen.

2. Setze dir Grenzen

Um deinen Konsum in Schach zu halten, kann außerdem ein festes monatliche Budget helfen (Schritt 2). Dieses Budget sollte für deine rein privaten Ausgaben gelten. Betroffen davon wären Kinobesuche, Freizeitausflüge, Urlaub, Essen gehen, feiern und auf Parties gehen, Klamotten, Elektronik und Medien. Nicht davon betroffen sind Lebensmittel, Kosmetik (sofern nur Ersatz) und Notfälle (dein Handy hat spontan den Geist aufgegeben usw.).

Halte dieses Budget ruhig sehr gering. Es geht hier darum, dich aus deiner Komfortzone rauszuholen und dich zu zwingen mehr über deine Käufe nachzudenken. Du wirst auch gezwungen sein Kompromisse einzugehen. Was ist wichtiger, das neue Kleid oder ein romantisches Abendessen mit dem Partner?

Du kannst dich aber auch auf andere Art und Weise zu weniger Konsum zwingen. Das funktioniert durch selbst auferlegte Regeln. Dazu solltest du dir vorher angucken, was du besonders oft kaufst und dich dahingehen einschränken.

Du könntest beispielsweise festlegen, dass du dir pro Monat nur ein Kleidungsstück kaufen darfst und das muss secondhand sein. Ebenso könntest du festlegen, dass du statt ein neues Buch zu kaufen, eins mit einem Freund oder Bekannten tauschst.

Hilfreich können auch folgende Fragen sein:

  • Brauche ich diesen Gegenstand wirklich oder will ich ihn einfach nur?
  • Welche Aufgabe erfüllt dieser Gegenstand, die nichts anderes erfüllen kann?
  • Wie oft werden ich dieses Ding benutzen?
  • Passt diese Sache zu mir und meinem Leben?
  • Ist dieses Ding praktikabel oder will ich es nur, weil es hübsch aussieht?
  • Macht der Besitz mich glücklich?

Wenn du diese Fragen nicht mit Sicherheit positiv beantworten kannst, dann solltest du dir dein Geld sparen.

Weniger Schnick-Schnack

3. Mache einen No-Spend Monat

Im letzten Schritt kannst du dich noch mehr fordern und einen No-Spend Monat einlegen. Das heißt einen ganzen Monat lang keine privaten Ausgaben tätigen. Alle andernen Alternativen wie tauschen, leihen und selber machen sind natürlich erlaubt.

Dieser Schritt ist erst dann sinnvoll, wenn du Schritt 1 und 2 schon eine Weile praktiziert hast.

Deshalb würde ich dir empfehlen in diesem Schritt vollständig auf alles zu verzichten, was neu in deinen Haushalt kommen würde. Schließlich hast du dich ja in Schritt 1 und 2 schon sehr an andere Alternativen ran gewagt und es sollte für dich inzwischen relativ normal sein, nicht einfach etwas neu zu kaufen, wenn du es willst.

In diesem Schritt wirst du trotzdem die Erfahrung machen, dass es verdammt schwer ist, gar nichts neues ins Haus zu holen. Und darin liegt eben auch der Knackpunkt: Verzicht.

An dieser Stelle werden die mentalen Auswirkungen des ständigen Kaufens deutlich und du kannst daran arbeiten, es “einfach” mal zu lassen. Dabei können folgende Gedanken helfen:

  • Ich bin bis jetzt ohne diese Sache ausgekommen.
  • Diese Sache definiert mich nicht.
  • Es wird keinen besseren Menschen aus mir machen, wenn ich diese Sache besitze.
  • Ich brauche diese Sache nicht, um etwas wert zu sein.

Außerdem kann es hilfreich sein, dir zu merken, was du alles kaufen würdest (z.B. als Lesezeichen im Browser). Wenn du es dann einen Monat später immer noch nicht vergessen hast und es immer noch haben willst, dann ist das schon ein recht legitimer Grund, es zu kaufen.

 

Minimalismus ist befreiend und kann einem wirklich helfen sein Leben besser zu ordnen. Doch er muss auch richtig gelebt werden. Wenn er das aber wird, dann kann er nicht nur viel für uns, sondern auch für unseren Planeten tun.

Ich hoffe dieser Beitrag konnte dir weiterhelfen in Zukunft mehr über deinen Konsum nachzudenken und ihn etwas zurück zu schrauben. Denn nur weniger Konsum ist wirklich nachhaltig und wirkt zudem auch noch befreiend. Was hast du bis jetzt alles ausprobiert und wie hat sich dein Konsumverhalten verändert? Lass mir gerne einen Kommentar da.

Wenn du mehr zu Thema Minimalismus und Ausmisten wissen willst, dann schau mal hier:

Leben in der Konsum­gesellschaft: Warum ist das so?

Minimalistische Finanzplanung für mehr Freiheit

Räum dein Leben auf! Der Guide zum Ausmisten

Bis zum nächsten Mal,

- Sarah

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Autor Sarah Lettmann

Sarah Lettmann

Hi, ich bin Sarah. Hier auf MinimalWaste schreibe ich über Zero Waste und Minimalismus und gebe Tipps wie man sein Leben nachhaltiger gestalten kann. Mehr über Sarah Lettmann.

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