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Wie nachhaltig ist Bio-Baumwolle?

Einfluss auf Mensch und Umwelt im Vergleich zu herkömmlicher Baumwolle

Wie nachhaltig ist Bio-Baumwolle?

Eigentlich wollte ich ja eine Neuauflage meines Posts Sind Alternativen aus Stoff ökologisch sinnvoll? schreiben. Aber dann ist mir aufgefallen, dass ein großer Punkt in der Bilanz der Stoff ist, aus dem die Taschentücher gefertigt sind. Zuallererst kam mir da natürlich Baumwolle in den Sinn. Also gucken wir uns heute einmal an, wie nachhaltig Bio-Baumwolle gegenüber konventioneller Baumwolle ist.

Baumwolle ist allgemein sehr beliebt als Stoff für Kleidung aber auch andere Textilien, da sie strapazierfähig und damit lange haltbar ist. Es ist nicht unüblich dass Stücke aus Baumwolle länger getragen werden können als Kleidungsstücke aus synthetischen Stoffen. Zudem ist Baumwolle gut für Allergiker geeignet und biologisch abbaubar, da sie vollständig aus Zellulose besteht. Der Stoff Baumwolle scheint also im Allgemeinen schon eine ganz gute Wahl zu sein.

Angebaut wird Baumwolle in einem eher trockenen Klima, vor allem in den USA, China, Pakistan und Indien und in Europa in Spanien, Griechenland oder der Türkei. Ganze 26 Mio. Tonnen wurden 2014 weltweit angebaut, davon knapp 89% von den zehn größten Erzeugern. Dabei sind leider 99,5% der weltweit angebauten Baumwolle konventionell und nicht bio.

Baumwolle scheint also ein Stoff mit riesiger Nachfrage zu sein, der quasi weltweit angebaut wird. Spannend ist jetzt die Frage wie sich die Klimabilanz von konventioneller Baumwolle und Bio-Baumwolle unterscheiden.

Wasserverbrauch

Da hast du sicher auch schon von gehört: Baumwolle hat einen schrecklich hohen Wasserverbrauch. Und ja, das stimmt. Konventionelle Baumwolle verbraucht im weltweiten Durchschnitt 11.000l Wasser auf 1kg Baumwolle. In Indien sind es sogar 23.000l pro Kilogramm. Das kommt dadurch, dass Baumwolle eher in trockenen Gebieten angebaut wird, damit die “Wolle” nicht durch Feuchtigkeit schimmelt. Somit muss viel Wasser extern zugeführt werden, beispielsweise über Gewässer oder das Grundwasser. So werden die sowieso schon wasserarmen Regionen zusätzlich belastet.

Weltweit werden zum Anbau von Baumwolle jährlich 256 Kubikkilometer Wasser benötigt, das sind 256 Billiarden Liter (ausgeschrieben 256.000.000.000.000 Liter).

Wassertropfen
Foto von Levi XU – Unsplash

Auch bei der Bio-Baumwolle ist der Wasserverbrauch ein Thema. Trotzdem verbraucht sie weniger Wasser im Anbau. Das kommt durch verschiedene Faktoren. Zum einen wird Bio-Baumwolle auf einer dickeren Humusschicht angebaut, die Feuchtigkeit einfach besser hält und somit weniger bewässert werden muss. Zum anderen werden für Bio-Baumwolle keine genmodifizierten Pflanzen verwendet – diese benötigen von vorneherein schon mehr Wasser.

Bio-Baumwolle verbraucht bis zu 40% weniger Wasser als konventionelle Baumwolle, also nur 6.600l pro Kilogramm. Eine Studie der Soil Association von 2015 ermittelte sogar einen geringeren Wasserverbrauch von 91%.

Treibhausgase

Auch die Treibhausgas-Emissionen sind ein großes Thema bei Baumwolle. Eine Tonne Baumwolle produziert 1,8 Tonnen CO2. Das kommt unter anderem durch lange Transportwege zustande. Denn Baumwolle ist kaum regional zu bekommen und muss somit fast immer nach Europa geliefert werden. Hinzu kommt, dass die Produktion von synthetischen Düngemitteln und Pestiziden ebenfalls Energie verbraucht – zudem eigentlich sehr unnötige Energie.

Für die Herstellung eines Damen T-Shirts mit konventioneller Baumwolle fallen fünf bis sieben Kilogramm CO2 an, für ein Herren Shirt sogar sieben bis neun Kilogramm.

Auch Bio-Baumwolle wird in den gleichen weit entfernten Regionen angebaut, wie konventionelle Baumwolle. Jedoch wird bei Kleidung aus Bio-Baumwolle oft darauf geachtet, dass der Rohstoff aus Europa stammt und damit der Transportweg nicht so weit ist. Beliebt sind die Türkei, Griechenland oder Spanien. Die Studie der Soil Association fand heraus, dass bei Bio-Baumwolle ein um 62% geringerer Energieverbrauch anfällt.

Einfluss auf den Boden

Neben dem horrenden Wasserverbrauch und den CO2-Emissionen hinterlässt Baumwolle auch noch Schäden an den Böden auf denen sie angebaut wird. Baumwolle wird in Monokultur angebaut, da die Pflanze sehr langsam wächst und der Gewinn maximiert werden kann, wenn die Felder gleich nach der Ernte erneut bestellt werden. Aus dem gleichen Grund werden auch synthetische Dünger eingesetzt, die oft giftig sind. So werden die Pflanzen zwar größer und ertragreicher, aber der Umwelt und Arbeiter leiden darunter.

Die Monokultur macht es auch erst notwendig, dass Pestizide eingesetzt werden, die Schädlinge wie den Baumwollkapselkäfer fern halten sollen. So kommt es, dass 25% der weltweit genutzten Pflanzenschutzmittel für Baumwolle verwendet werden. Und das obwohl die Anbaufläche für diese gerade mal 2,5% der weltweiten Ackerfläche ausmacht. Außerdem werden die Pflanzenschutzmittel oft ausgewaschen und landen so im Grundwasser und verunreinigen dieses. Damit der Giftcocktail perfekt ist, wird nun noch mit sehr giftigen Entlaubungsmitteln gearbeitet, um die Ernte zu erleichtern.

Baumwollfelder
Foto von Nick Kane – Unsplash

Selbst konventionelle Baumwolle hat nach außen hin ein relativ sauberes und nachhaltiges Image. Die Realität dahinter sieht aber leider ganz anders aus.

Bio-Baumwolle wird hingegen nur mit natürlichen Mitteln gedüngt wie Mist oder durch Gründüngung. Monokulturen entstehen gar nicht erst, da die Fruchtfolge beachtet wird. So bleiben die Böden fruchtbar und ertragreich, da die Nährstoffe erhalten bleiben. Allerdings kann so in mancher Saison keine Ernte eingefahren werden.

Die Felderwirtschaft beugt außerdem auch Schädlingen vor. Gegen diese kann aber auch durch andere Pflanzen vorgegangen werden. Diese werden zwischen der Baumwolle platziert und so gewählt, dass sie den schädlingen “besser schmecken” als die Baumwolle. Zu guter letzt wird Bio-Baumwolle mit der Hand geerntet - Entlaubungsmittel sind also nicht notwendig.

Beeinflussung der Fauna

Die ganzen Gifte, die bei herkömmlich angebauter Baumwolle zum Einsatz kommen, wirken sich sicher auch auf die Tierwelt aus. Dazu konnte ich aber leider keine Studien finden (zumindest nicht konkret für Baumwolle). Außerdem bereitet mir die Verwendung von gentechnisch verändertem Saatgut sorgen. Langzeitwirkungen sind noch nicht erforscht und es ist nicht klar wie sich sowas auf die Tierwelt oder sogar auf uns Menschen auswirken kann.

Schmetterling
Foto von Boris Smokrovic – Unsplash

Arbeits­bedingungen

Es wundert dich sicher nicht, wenn die vielen Chemikalien auch einen erheblichen Einfluss auf die Arbeiter und sogar die Menschen hat, die in den Regionen leben, in denen Baumwolle angebaut wird. Oft werden keine Masken und noch nicht einmal ein Mundschutz getragen, wenn die Chemikalien von den Arbeitern auf die Felder gebracht werden. Wie schon vorher erwähnt landen die Chemikalien durch Auswaschung nicht selten im Grundwasser und damit oft auch im Trinkwasser.

Gesundheitliche Folgeschäden sind daher nicht ungewöhnlich. Laut einer Studie der WHO sterben jährlich rund 20.000 Menschen an den Folgen der Chemikalien, nicht nur Bauern und Erntehelfer, sondern auch viele Menschen, die in den Anbaugebieten leben. Hinzu kommen jährlich ca. 500.000 schwerwiegende Vergiftungsfälle.

Damit nicht genug, ist auch Kinderarbeit keine Seltenheit beim Anbau von Baumwolle. Das heißt aber auch, dass wahrscheinlich auch viele Kinder von diesen gesundheitlichen Folgen betroffen sind.

Das kommt bei Bio-Baumwolle nicht vor. Die Arbeiter werden nicht durch Chemikalien belastet, da alles von Hand oder mit natürlichen Mitteln gemacht wird. Außerdem wird kein gentechnisch verändertes Saatgut eingesetzt, sondern normales, welches selbst wieder Saatgut hervorbringt – nicht wie bei Gen-Baumwolle, die immer neu gekauft werden muss, weil sie durch Pestizide zerstört wird. Das führt auch dazu, dass die Bauern weniger Geld ausgeben müssen und so Kosten sparen.

Bio-Baumwolle wird außerdem oft von Kleinbauern angebaut. Dort herrschen in der Regel bessere soziale Bedingungen als bei den großen Produzenten. Außerdem unterstützt du so durch den Kauf von Bio-Baumwolle kleine Unternehmen in den Regionen.

Einfluss auf uns

Neben den Einfluss auf die Bauern und Menschen in den Anbauregionen, haben die vielen Chemikalien auch einen Einfluss auf uns. Denn diese hinterlassen Spuren, selbst im fertigen Gewebe. Und Kleidung, die daraus gefertigt wird, tragen wir auf der Haut.

Leider ist es aber auch so, dass selbst Bio-Baumwolle mit giftigem Bleichmitteln oder Färbemitteln weiter behandelt wird. Diese können sogar erbgutverändernd sein.

Daher kannst du dir leider nicht sicher sein, dass das ganze Kleidungsstück schonend und nachhaltig produziert wurde, selbst wenn es aus Bio-Baumwolle ist. Wie du gute Kleidung aus Bio-Baumwolle erkennst, erkläre ich dir gleich noch.

Kleidung
Foto von The Creative Exchange – Unsplash

Die Kosten

Nachhaltig ist teurer, richtig? Naja, bei Bio-Baumwolle ist das nicht der Fall. Zwar erzielt sie einen 14% geringeren Ertrag als konventionelle Baumwolle, dafür sind aber auch die Kosten um 38% niedriger.

Und natürlich müsste man bei konventioneller Baumwolle auch noch die Kosten mit einrechnen für die Schäden die sie an Mensch und Umwelt verursacht.

Bio-Baumwolle erkennen

Wie kannst du nun Kleidung erkennen, die aus Bio-Baumwolle gefertigt wurde? Dabei gibt es ein paar Dinge zu beachten:

  • Nur Baumwolle die explizit als “Organic Cotton” gekennzeichnet ist, ist wirklich nachhaltig und damit Bio-Baumwolle.
  • Achte auf das GOTS Label, IVN Label oder kontrolliert biologischer Anbau = kbA.
  • Gucke beim Hersteller nach, ob dieser Mitglied in der Fair Wear Foundation ist (bessere Arbeitsbedingungen) oder Fair Trade Produkte anbietet.
  • Überprüfe, ob das Kleidungsstück aus Europa kommt.
  • Achte auch darauf, wie das Kleidungsstück produziert wurde, da selbst trotz Bio-Baumwolle bei der Produktion der Bekleidung Chemikalien und Gifte zum Einsatz kommen können.

Hier findest du eine Liste von nachhaltigen und umweltfreundlichen Shops.

Zusammen­fassung

Abschließend kann man sagen, dass Bio-Baumwolle die bessere Wahl ist, selbst wenn sie nicht nachhaltig weiter verarbeitet wurde. Sie

  • verbraucht 40-91% weniger Wasser.
  • hat einen 62% geringeren Energieverbrauch.
  • wird mit rein natürlichen Düngemitteln angebaut.
  • kommt ohne gentechnisch verändertes Saatgut aus.
  • brauch keine Chemikalien für das Wachstum oder die Ernte.
  • wird nicht mit Kinderarbeit angebaut.
  • enthält keine giftigen Chemikalien, die wir dann auf der Haut tragen.
  • hat keinen negativen Einfluss auf die Umwelt, den Boden, das Wasser, Flora und Fauna und die Menschen in den Anbaugebieten.

Ich hoffe ich konnte dich motivieren, bei deinem nächsten Kauf von Kleidung auf Bio-Baumwolle zu achten. Denn selbst wenn sie noch lange nicht perfekt ist, es ist ein großer Schritt in die richtige Richtung und hin zu nachhaltiger Landwirtschaft. Wenn du dich noch weiter über nachhaltige Mode oder Nachhaltigkeit im Allgemeinen informieren möchtest, dann guck mal hier:

Die Tragödien hinter Fast Fashion

Die Vorteile von Glas gegenüber Plastik

Was ist Plastik eigentlich genau?

Wir sehen uns dann nächste Woche.

- Sarah

 

Zum Weiterlesen

  1. Wikipedia: Baumwolle
  2. Soilassociation: Cool Cotton, Organic Cotton and Climate Change
  3. virtuelles-wasser.de: Baumwolle
  4. glore.de: Bio-Baumwolle
  5. Utopia: 13 Fakten: Was du über Bio Baumwolle wissen solltest
  6. trigema: Bio-Baumwolle – wie entsteht die Öko-Faser?  
  7. TAZ: “Für jedes T-Shirt sieben Kilo CO2”
  8. grueneerde.com: Warum Bio-Baumwolle besser ist
Autor Sarah Lettmann

Sarah Lettmann

Hi, ich bin Sarah. Hier auf MinimalWaste schreibe ich über Zero Waste und Minimalismus und gebe Tipps wie man sein Leben nachhaltiger gestalten kann. Mehr über Sarah Lettmann.